Wo Sanierung kippen kann

22. June 2026
Beim 3. Konsortialmeeting von natuREnovation standen typische Sanierungsfehler, Feuchteprobleme und die Frage im Mittelpunkt, wann eine Sanierung rechtlich und planerisch noch eine Sanierung ist.
Gründerzeithäuser zu sanieren heißt nicht nur, alte Substanz zu erhalten. Entscheidend ist, wie tief eingegriffen wird, welche Materialien eingesetzt werden und wie Bauphysik, Haustechnik und Nutzung zusammenspielen.


Ein möglicher Anwendungsfall

Zum Einstieg des 3. Konsortialmeeting stellten Ute Munoz vom IBO und Architektin Anna Schweiger die geplante Sanierung einer Gründerzeitwohnung in Wien vor. Ziel ist, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten und gleichzeitig ökologische Materialien und zeitgemäße Haustechnik einzusetzen.

Diskutiert wurden unter anderem Innendämmung, Lehm- und Kalkputze, mögliche Heiz- und Kühlsysteme sowie ein Monitoring von Temperatur, Luftfeuchte und Energieverbrauch. Das Konsortium bewertete die Wohnung als interessanten Anwendungsfall, bei dem einzelne ProjektpartnerInnen unterstützend mitwirken könnten.

v.li.n.re.: Ute Munoz vom IBO und Architektin Anna Schweiger über die geplante Sanierung einer Gründerzeitwohnung in Wien

Feuchte: oft liegt das Problem im Zusammenspiel

Im Fachvortrag von Leo Obkircher ging es um feuchte Keller und typische Fehler bei Sanierungen. Schnell wurde deutlich: Einzelmaßnahmen reichen selten aus.

Fehlende Lüftungskonzepte, zu starke oder falsch ausgeführte Innendämmungen, Wärmebrücken, ungünstige Möblierung oder eine unzureichende Abstimmung zwischen Bauphysik und Gebäudetechnik können Probleme erst erzeugen oder verstärken.

Als zentrale Planungsprinzipien wurden daher eine ganzheitliche Betrachtung von Gebäudehülle und Technik, Feuchtesicherheit sowie robuste, wartungsarme Systeme hervorgehoben. Monitoring und Messungen können zusätzlich helfen, Entwicklungen früh zu erkennen.

Leo Obkircher präsentiert in seinem Vortrag feuchte Keller und typische Fehler bei Sanierungen.

Wann ist Sanierung noch Sanierung?

Einen zweiten Schwerpunkt setzte Martin Aichholzer von MAGK Architekten mit seinem Vortrag zu rechtlichen Rahmenbedingungen, ZiFa und der Abgrenzung zwischen Erhaltung und Sanierung.

Gerade bei tiefgreifenden Eingriffen in Gründerzeitgebäude stellt sich die Frage: Welche Maßnahmen sind noch der Erhaltung zuzuordnen und ab wann handelt es sich um eine Sanierung? Welche Maßnahmen sind mit den Projektzielen vereinbar? Und wie lassen sie sich rechtlich und planerisch bewerten?

Die Diskussion zeigte, dass diese Abgrenzung für natuREnovation zentral ist. Denn Ziel des Projekts ist die vorhandene Bausubstanz und ihre Qualitäten möglichst zu erhalten und zugleich durch geeignete Sanierungsmaßnahmen weiterzuentwickeln.

Martin Aichholzer von MAGK Architekten über rechtliche Rahmenbedingungen, den ZiFa und die Frage, wo Erhaltung endet und Sanierung beginnt.

Aus Fehlern lernen

Zum Abschluss sammelten die Projektpartner in einem gemeinsamen Workshop typische Sanierungsfehler aus Bauphysik, Gebäudetechnik, Planung, Ausführung und Organisation.

Diese Erfahrungen fließen nun in die weitere Arbeit ein. Denn gerade das Wissen darüber, wo Sanierungen heute scheitern, ist eine wichtige Grundlage dafür, robuste und ökologische Lösungen für Gründerzeitgebäude zu entwickeln.

v.li.n.re.: Heinz Ambrozy, Franz Dolezal, Leo Obkircher, Alois Hirschmugl und Johannes Zeilinger
v.li.n.re.: Azra Korjenic, Martin Aichholzer und Claudia Stefenelli

Alle Fotos: Barbara Kanzian